Der Schreck verfliegt schnell. Eine Idee zu sehr erinnern die ersten Sekunden von “Mysteries of Love” auf “The Lost are found” von Claudia Brücken an Angelo Kelly. Aber das gibt sich bald. Nur: Claudia wer?
Wir erinnern uns: Propaganda waren 1984 eines der Zitate des Jahres (“Why does it hurt when my heart misses the beat”), waren “Dr. Mabuse”, waren Phänomen, waren Düsseldorf, England und sowieso international zugleich. Und neben den ZTT-Labelkollegen Frankie goes to Hollywood unter Trevor Horn die Herrschaften ungewöhnlich phatter PopSounds in einer Zeit, die noch an den Nachwehen der dünnflüssigen NDW zu arbeiten hatte. So viel zur Geschichte.
“The Lost are found” bringt uns eine der beiden Propaganda-Stimmen zurück. Nicht notwendigerweise sanfter aber doch einen Deut wärmer, versöhnlicher und ganz nebenbei auch sehr ausgesucht im Songmaterial. Das nämlich verlässt sich auf Coverversionen von Stina Nordenstam (“Memories of a Colour”) über David Bowie (“Everyone says Hi”), das von so vielen verpönte Electric Light Orchestra (“One Summer Dream”) bis hin zu den Pet Shop Boys, Bee Gees und (hoppla!) Robbie Robertson. Das müssen Puristen nicht mögen, da hat auch nicht wirklich jede Sekunde auf “The Lost are found” den ganz dicken, eigenen Stempel erhalten. Eine anregende, phasenweise inspirierende Fahrt ist das hier allemal geworden. Zumal die Künstlerin sich bei der Auswahl zum Glück nicht auf ultimativ überspielte Titel und verschlissene Kompositionen konzentriert hat. 30. März | Gruenspan (kel)