Wir konnten uns mal wieder nicht entscheiden. Bad Religion oder Hot Water Music? Hot Water Music oder Bad Religion? Also: beide. “True North” von den einen, “Live In Chicago” von anderen. Unser Album der Woche ist nach der Winterpause wieder da und wir legen gleich mal mit einem Doppelpack los.
So unterschiedlich diese beiden Platten auf den ersten Blick sind – das eine besteht aus vielen alten Klassikern (und ist eben ein Live-Album), das andere besteht aus neuen Songs – so ähnlich sind sie auch. Denn beide treten sofort Arsch, beide reißen SOFORT mit, in beide verliebt man sich. Ebenso SOFORT. Und bei beiden weiß man schon vorher, was man bekommt …
Manch verwirrte Gesellen behaupten ja, Bad Religion würde immer wieder das gleiche Album aufnehmen. Alle andere wissen, dass die Band einfach nur immer besser wird und mit jeder Platte einen weiteren Punkrock-Fallrückzieher in den Winkel zirkelt. Auch “True North” schlägt ein. Oben links, mit wahnsinniger Geschwindigkeit. Das ist so gut. Der Titeltrack, klar, den kennt man. Oder “Fuck You” und das gerade eine Minute lange “Vanity”. Aber auch das so unglaublich schöne “Land Of Endless Green”, “Nothing To Dismay”, “In Their Hearts Is Rights” (was auch auf “Generator” passen würde …) oder “Robin Hood In Reverse” sind neue Hymnen. Mit ohrenbetäubenden Melodien, mit Chören, die man sich ausdrucken und auf den Rücken tätowieren möchte, mit Leidenschaft und Kraft, mit Liebe und unbeschreiblicher Schönheit.
Und wenn wir die Fanbrille abnehmen – sieht das Ganze genauso aus. Weil Punkrock eigentlich nicht besser geht. Klar, es geht auch anders, das beweisen gerade viele junge Bands wie Nothington oder auch Title Fight. Doch wenn man es klassisch mag, wenn man es “wie immer” mag, wenn man es einfach mal wieder richtig mag, dann führt kein Weg an Bad Religion und auch kein Weg an “True North” vorbei. Und ebenso wenig natürlich am Docks, am 5. Juni sind die Helden hier zu Gast.
Noch keine Daten gibt es leider für Hot Water Music. Aber im Spätsommer sollen die Gainsville-Giganten wieder nach Deutschland kommen. Bis dahin genießen wir “Live In Chicago” und damit mal eben 30 durch die Bank saustarke Meisterwerke. Das Album kommt als Doppel-CD oder 3fach-Platte und ist natürlich ein Muss. Weil es all das hat, was ein gutes, ein sehr gutes Live-Ding braucht. Einen Sound, der dreckig kommt, aber niemals verdreckt und damit hochgradig echt. Eine Atmosphäre, die einen mitnimmt und zeigt, wie es wirklich war. Vor und auf der Bühne. Smells Like Rock N Roll. Dazu natürlich eine Band, die alles gibt und Lieder, die man lieben muss.
Video: “A Flight And A Crash” (live)
Müssen wir die hier aber jetzt aufzählen? Okay, ein paar. “Trusty Chords” und “Wayfarer”, “Remedy” und “Rooftops”, “Kill The Night” und “Free Radio Gainsville”, ”Paper Thin†und ”Turnstileâ€, ”A Flight And A Crash†und ”God Decidingâ€. Und noch eine Menge, Menge, Menge mehr. Nur von ”Existerâ€, dem letzten Studioalbum, gibt es nicht. Was einzig und alleine daran liegt, dass “Live In Chicago” bereits 2008 und damit kurz nach der Reunion von Hot Water Music aufgenommen. Nicht auszudenken, wenn sie auch noch ihre aktuellen Supersongs auf die Setlist gepackt hätten … (mf)
