Mit “Wonderful, Glorious” (Cooperative Music/Universal) ist am 1. Februar das zehnte Album seit Gründung der Eels Anfang der 90er erschienen. Gerade in der letzten Jahren ist “E” mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen (“Wonderful, Glorious” ist das vierte Album seit 2009) und den dazugehörigen Tourneen ein sehr beschäftigter Mann gewesen. Dazu kam noch die Autobiographie “Glückstage in der Hölle”, in der Mark Oliver Everett auf ergreifende Weise über sein Leben erzählt, das zu großen Teilen von Schicksalsschlägen geprägt war und man sich fragen musste, wie er das Leben überleben konnte.
Nun, einer der wichtigsten Musiker und Songschreiber unserer Zeit hat wie er sagt gerade durch und wegen der Musik überlebt. Auf dem neuen Album wirft E seine Selbstzweifel und Depressionen so gut wie endgültig über Bord und präsentiert sich in so bisher unbekannter und positiver Art und Weise. Wie großartig! Zumal der Albumtitel ja auch blanke Ironie hätte seien können. Das Songwriting hat keinesfalls unter seinem neuen Gemütszustand “gelitten”. Und schließlich muss man nun auch nicht gleich befürchten, dass die Eels demnächst zum Schunkeln im Musikantenstadl auffordern oder wie (Achtung, Kalauer folgt) Sven Väth auf E “Gude Laune” predigen.
All das ist nach wie vor natürlich seine Sache nicht. Obwohl eine Coverversion von Bobby McFerrins “Don’ t Worry Be Happy” auf Aalisch dieser Tage durchaus im Bereich des
Möglichen scheint. Die Eels– Songs bestechen immer noch durch emotionalen Tiefgang, Poesie, Sehnsucht und einem Gespür für Melodien, Einzigartigkeit und Eingängigkeit, die, wie nahezu alle Eels– Stücke, die Zeit überdauern werden. Alles typisch Everett, halt.
Auf “Wonderful, Glorious” ist erneut die ganze Bandbreite zwischen Rock-Songs und Balladen, dessen Basis der Blues, Folk und wohl auch Country ist, vertreten. Mal bellt und jault E wie ein Schäferhund in Waits-ähnlicher-Manier, und mal schmiegt er sich einem wieder an, wie ein kleines Lämmchen. Auf jeden Fall wird zu jeder Zeit der böse Wolf vertrieben, wenn die geliebte Geliebte namens Drum Machine im Hintergrund akribisch bei “Kinda Fuzzy” rattert, eine furztrockene verzerrte Gitarre samt selbigem Bass in “Peach Blossom” für Coolness sorgt oder einem “The Turnaround” ganzheitlich unter die Haut fährt. Geschichte ist inzw. auch die “Langer-Rauschebart-Geschichte”, die Everett eben zuletzt den Beinamen Wolfsmann einbrachte und sicherlich zu der einen oder anderen Überstunde in Hinterzimmern internationaler Flughäfen geführt haben dürfte.
Mark Oliver Everett wird am 10. April runde 50 Jahre alt. Also kurz nachdem die Eels am 7. April in der Gr. Freiheit 36 gastieren, wo Sie sich bitte an jenem Abend einfinden sollten, Herrschaften! Nur bitte keinesfalls vorzeitig gratulieren. Denn das bringt bekanntlich Unglück … Tickets gibt es bei “uns”: Theaterkasse Schumacher. (kw)
