livekritik.de präsentiert den Chor des Monats: Mai.
Das schöne Wetter hält Einzug in Hamburg. Wie gut, dass es jetzt wieder öfters Open-Air-Veranstaltungen gibt. Wir haben uns im Wonnemonat aber nicht nur die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, sondern sind auch wieder fleißig in die Clubs abgetaucht. Hier gibt’s unseren Rückblick:
*** Friska Viljor (3.5., Holsten Brauereigelände) Im Rahmen des Holsten Brauereifestes wurden die Schweden für Samstag als Headliner auf die Bühne geschickt. Umsonst und draußen. Sicher draußen aber bestimmt nicht umsonst! Trotz der langen Umbaupause vor dem Auftritt und des anfänglichen Soundbreis hatten die Jungs mit dem ansteckenden Dauergrinsen das Publikum recht schnell für sich gewonnen. Friska Viljor und deren Lieder machen einfach gute Laune. Dem kann sich halt keiner entziehen. (cR)
*** Chet Faker (4.5., Uebel & Gefährlich) Ein nahezu perfekter Konzertabend, den der Australier den Besuchern hier bot: Zwischen den eigenen, und den in Kollaboration mit Flume entstandenen, Hits, gibt es immer wieder diese schwebenden Momente, in denen man tief konzentriert auf d.i.e.s.e. Stimme hört und all die Elektronik im Hintergrund verschwindet. Gut, auf den Improvisationsteil hätte man zugunsten weiterer Songs vielleicht verzichten können, aber zweifellos eines der einnehmensten Konzerte in letzter Zeit. (nsc)
*** Tribute To Nothing / Idle Class (6.5., Headcrash) Das Treffen der Generationen. Die jungen Punkrocker Idle Class aus Münster eröffneten für die alten Hardcore-Säcke von Tribute To Nothing und beide Bands boten im ordentlich gefüllten Laden schlicht fantastisches Zeug. Leidenschaftlich, intensiv und durch die Bank hochsympathisch. Auch wenn am Ende das Alter knapp gewann. Nicht nur, weil die Headliner zwischendurch Bier verteilten … (mf) *** Restorations / The Smith Street Band / Astpai (8.5., Hafenklang) Internationale Punkrock – Konferenz. Astpai aus Österreich machten den Anfang und boten trotz krankem Sänger eine unglaubliche mitreißende Show, stellten erste Songs aus ihrem neuen Album vor, das im August erscheint, und wurden wie kaum ein anderer Support zuvor im Hafenklang abgefeiert. Aus Australien war The Smith Street Band angereist und bot die volle Packung Kumpelpunk. Am Ende musste die Zugabe her, die Band kündigte ihre Rückkehr im Oktober an – und Restorations konnten einem leid tun. Denn mit ihren Dredg-Gitarren, Weezer-Touch und Keyboard-Momenten war auch diese Band super. Aber es war spät und leider zu laut. Und die beiden anderen Bands einfach superer. (mf) *** Mustasch (8.5., Knust) Seit Ewigkeiten hatte ich darauf gewartet, dass Mustasch endlich wieder nach HH kommen. Ich habe zuhause ihre Alben rauf und runter gehört, ihre Riffs auf der Gitarre gelernt und Angst gehabt, dass kein Konzert dieser Welt der immensen Erwartungshaltung gerecht werden kann, die sich aufgebaut hat. Wie es dann war könnt ihr hier nachlesen. (ds)
*** Intergalactic Lovers (9.5., Prinzenbar) Lara und ihre Jungs präsentieren das wunderhübsche neue Album “Little heavy burdens” in der gut gefüllten Prinzenbar und geniessen die ihr eigene Atmosphäre vor begeisterten Publikum, das zum Dank den Merch-Stand leer kauft. Offensichtlich hat da jemand alles richtig gemacht. (nsc) *** Wallis Bird (10.5., Mojo Club) Die selbstgebastelte Bühnendeko aus Papphäuschen zum Album-Thema “Architecture” wirkt im durchgestylten Mojo seltsam deplatziert, aber das wird zur Nebensache als Wallis Bird, dieses kleine Energiebündel, die Bühne betritt und ihre Fans von Beginn an mitnimmt. Selten sieht man ein Publikum, dass seine Künstlerin so ekstatisch verehrt, die wiederum mit einer Spitzenband zwischen ruhigen Acapella-Momenten und Tanzflur-Klopfern zu variieren weiß und auffällig viele Gitarrensaiten schreddert. (nsc)
*** Tonbandgerät (11.5., Hafengeburtstag) Erstaunlich, wie sich die positive Grundstimmung dieser Band immer wieder auf jedes Publikum überträgt. Der Hafengeburtstag versinkt im Dauerregen, aber vor der NDR-Bühne sieht man nur glücklich strahlende Menschen, die den ganz neuen (“Mit dem Staub”), kleinen (“Hirngespenster”) und grösseren Hits (“Irgendwie anders”), zuhören. Langsam spricht sich herum, was für ein musikalisches Juwel hier in Hamburg heranwächst. (nsc)
*** Triggerfinger (12.5., Uebel & Gefährlich) Ich war etwas traurig. Hatte ich mich doch so lange auf diesen Abend gefreut. Auf diese Band, die live on stage jedes Mal so überzeugt hatte, einen so abgeholt hatte. Dieses Mal hat es nicht funktioniert. Die Show war solide doch stimmungsmäßig war der Wurm drin. Aber es wird wieder ein Konzert von Triggerfinger geben und ich werde dabei sein.
Auf ein Neues! Eins sei noch ergänzt: die schon zu erwartende Zugabe (Lykke Lis “I follow rivers”) wurde dieses Mal durch einen Mix mit Falcos “Jeannie” aufgepeppt, was extrem gut funktioniert hat und dass Ruben plötzlich deutsch sang sorgte natürlich für Begeisterung. Also doch noch. (cR) *** Reckless Love (14.5., Logo) Die Hooklines und die Lyrics der finnischen Hair-Metaller triefen vor Kitsch, der Sixpack des Frontmanns glänzt vom Schweiß, das Publikum schreit vor Begeisterung und das Bier schäumt vor lauter Spaß. Immerhin Pi mal Daumen zu zwei Dritteln voll ist das Logo, was bei einer namentlich unbekannten Band, die auch noch einen hoffnungslos anachronistischen Sound fabriziert eine Leistung ist. Und zwar eine reife Leistung. Geiler Hardrock, charismatische Typen, perfektes Konzert. Kann man nicht anders sagen. (ds)
*** Herrenmagazin & Gäste (15.5., Uebel & Gefährlich) Frage: HSV oder Herrenmagazin? Antwort: Lieber Nerven schonen und ab in den handyfreien Bunker. Der Band gratulieren, Gäste wie Bosse und Sebastian Madsen beim Musizieren zuschauen, dazu Schrottgrenze abfeiern (was war das gut!) und leider eine Menge (Findus, Janka, Junges Glueck) verpassen. Weil der Bunker eben nur (der HSV) auf dem Klo und unten vor der Tür Netz hat … (mf) ***
Wovenhand + Christine Owman (15.5., Knust) Ich gebs zu: Ich war nur & ausschliesslich wegen Christine Owman, dieser aussergewöhnlichen schwedischen Chanteuse, mit Cello und singender Säge, im Knust. Ihr Set, begleitet von The Cardigans-Bassist Magnus Svenningson, wieder intensiv und beeindruckend dargeboten, war mit sieben Songs lediglich viel zu kurz. Wovenhand folgten darauf mit viel zu lautem, ohrenbetäubendem Lärm, der klang wie Killing Joke ca 1995, nur in noch monotoner. Nicht meins, daher Flucht nach 4-5 Songs, denn ein Abend auf der Couch ist manchmal auch ganz schön. (nsc). *** Tune-Yards (15.5., Nochtspeicher) Toller Abend mit der jetzt fünfköpfigen Band von Merrill Garbus, die sichtlich Freude hat an neuen und alten Songs – genau wie das Publikum. Das kam mit Opener Sylvan Esso schon hervorragend in Stimmung. Das Duo darf gerne bald als Headliner wiederkommen, um ihre Elektro-Feist Songs zu spielen! (cp) *** Passion Victim V6 (16.5., Knust) Auch in der sechsten Auflage macht das Passion Victim vieles richtig und holt ein paar tolle Bands für kleines Geld in die Stadt. Mit Slut als Headliner ist den Machern dazu noch ein echter Glücksgriff gelungen, zumal die Band bislang auf der letzten Tour einen Bogen um Hamburg gemacht hatte (da sie auf dem Reeperbahn Festival gespielt hat). Wie dringlich überzeugend Slut sind, weiss jeder, der sie bereits live gesehen hat. Große Überraschung waren sicherlich die Holländer der Soul Sister Dance Revolution, einer jungen Gitarrenband mit Punk, Indie und Rock-Einflüssen, irgendwo zwischen den Arctic Monkeys und Queens oft he Stone Age. Das es dann mit Scarlet Chives auch eine stimmlich eher anstrengende Band zu bewundern gab, war daher nicht weiter schlimm (nsc).
*** Dangers of the Sea + The Provinvial Archive (18.5., Nochtspeicher) Auch in diesem Monat muss festgestellt werden, dass die Hamburger exzellente Konzerte meiden und tolle Bands vor nur gut 50 Zuschauern spielen müssen. Dabei sind die Kanadier von The Provincial Archive schon ein toller Auftakt, während Dangers of the Sea erneut ein fantastisches Konzert abliefern und in einer fairen Welt mindestens vor ausverkauftem Knust spielen müssten. Leute, Empathie gibts nicht im App Store. (nsc) *** Dum Dum Girls (20.5., Knust Bar) Zu wenige Besucher auch hier. Letztes Mal noch im vollen Indra, heute muss das Konzert, trotz exzellentem neuen Album, vom Knust in die anhängende kleine Bar verlegt werden. Hamburg? Was ist los? Wenn das so weitergeht, sind wir bald Konzertprovinz. Den etwas lustlosen Auftritt der Dum Dum Girls & Boys kann man ihnen unter diesen Umständen nur bedingt übel nehmen. (nsc)
*** Gisbert zu Knyphausen (21.5., Hasenschaukel) Der eigentlich erste Abend mit GzK war plötzlich der Zweite. Grossartig, Gisbert endlich wieder auf einer Bühne zu sehen, bei den ersten Schritten zurück nach Kid Kopphausen und Nils Koppruch. Gutgelaunt, manchmal etwas unsicher, aber sichtlich glücklich. Die letzte Zugabe wird 10 min lang klatschend eingefordert, Gisbert muss von Hasenschaukel – Tarju zurückgeholt werden und gemeinsam gehen wir alle “So seltsam durch die Nacht”. Bei dieser Gelegenheit: Alle schön weiterspenden, damit unsere Hasenschaukel im September wieder aufmachen kann! (nsc)
*** Robbie Williams (22.5., o2 World) Robbie ist erwachsen geworden. Wie sein Publikum. Dennoch wird geschrien was das Zeug hält. Vornehmlich natürlich von den weiblichen Fans. “Swing Both Ways” ist das Thema und er setzt es charmant um. Mit großem Tamtam, beieindruckender Bühne, vielen Kostümwechseln, absolut bester Laune, großer
Band einschließlich Bläsern serviert Mr. Robert Peter Williams in zwei Akten, was die Swingzeit so hergab in neuem, frischen Gewand. That was spectacular and entertaining! (cR) *** The Rifles (22.5., Logo) Da sind sie wieder in alter Spiellaune, im ausverkauften Logo, der – endlich darf ich das auch mal schreiben – lautesten Sauna der Stadt, bei gefühlten 50°C: The Rifles spielen sich durch ihr Set, nehmen alle Alben und die glücklich mitsingenden, schwitzenden und tanzenden Besucher mit und versprechen uns am Ende, zum Teil halbnackt auf der Bühne, im Dezember wiederzukommen. So sieht ein sehr, sehr guter Konzertabend aus. (nsc)
*** Torpus & the Art Directors (28.5., Prinz Willy, Kiel) Torpus arbeiten eigentlich gerade am neuen Album, brauchen aber zwischendurch die Bühne: Also werden flugs ein paar Shows gespielt. Die erste in Kiel bei Willy und es ist wie ein Happening unter Freunden. Schöne neue Songs, gemischt mit Perlen der beiden Alben machen wieder Lust auf mehr und die neue Platte, die man ab Jahresende erhoffen darf. (nsc) *** Peter Doherty (29.5., Golem) Diesmal zeigt Peter ohne technische Probleme, allerdings natürlich nach der typischen Wartezeit, dass unter allem immer noch eine fantastische Stimme und unkaputtbare Songs liegen. Nur ist wieder leider nur ein Teil des Publikums gekommen, um Aufmerksamkeit zu schenken – der Rest scheinbar, um sich selbst reden zu hören und das Instagram-Konto mit Peter-Bildern auszustatten. (cp)