Das ist schon eine Story. Charles Bradley hat erst im Alter von über 60 Jahren sein erstes Album veröffentlicht und machte dort gleich im ersten Song “The World (Is Going Up In Flames)” seine Ansage: “Don’t tell me how to live my life if you never felt the pain.” Mal ungeachtet dessen, dass das Werk von 2011 sowieso schon “No Time For Dreamin'” heißt – der Mann hat einen verdammten Blues im Blut!

Der allein ist natürlich nicht Erklärung für die Wucht, mit der er auf diesem beeindruckenden Debüt etwas anzettelt, das Neo-Soul-Nummern wie seichte Tümpel klingen lässt, während sich bei ihm tosende Wellen in die Tiefe rollen. Da hat sich über Jahrzehnte etwas zusammengebraut und angestaut, da wurde gekämpft und verloren, ein Leben auf Messers Schneide geführt. Zugegeben eine offensichtliche Kerbe, denn als Koch hat sich der Soul-Sänger tatsächlich lange Zeit durchgeschlagen, bevor Daptone Records (mal wieder) einen unglaublich guten Haken geschlagen und ihn unter Vertrag genommen hat.

Bradley sagte in einem Interview, dass James Brown ihm in dieser Zeit über den Kochtöpfen mal Talent bescheinigt und dazu geraten habe, in New York sein Glück zu versuchen – gemeinsam mit ihm auf die Bühne zu gehen, das hat der Godfather dann doch nicht vorgeschlagen. Im Nachhinein ein Zeichen für das Gespür von Mr. Brown, der wohl ahnte, dass sein Allerwertester als Nabel der Soul-Welt ins Wanken geraten könnte. Letztendlich hat sich der Traum, erfolgreich auf der Bühne zu stehen, dann doch erfüllt und seitdem brechen sich Leiden und Hoffen in Form von deepen Grooves Bahn.

cn_praesentiert21Zu Pathos kann man bei diesem Mann auch mal stehen. Am 1. April ist “Changes”, das neue, dritte Album von Charles Bradley erschienen und schon am 12. April spielt er mit seinen Extraordinaires im Gruenspan. Die Vorab-Auskopplung des Titelsongs (ein Cover des Black Sabbath Songs) gibt den Takt vor. (jb)

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