douglas-dareDouglas Dare ist zurück! Zwei Jahre nach seinem Debütalbum erschien am Freitag nun der Nachfolger “Aforger”. Auf dem Reeperahn Festival präsentierten Dare und seine zwei Live-Mitstreiter bereits eigene der neuen Songs. Auffällig: Die intellektuell wirkende Hornbrille hat Dare endgültig eingemottet, stattdessen trägt der Engländer nun eine Nick-Carter-Boybandfrisur – aber von der Seichtigkeit des damaligen Pops ist er immer noch tausende Lichtjahre entfernt.

Stattdessen bietet er auf “Aforger” eine moderne und vielleicht eine der besten Varianten des Singersongwritertums. Klagend, aber nicht jämmerlich, intensiv und ohne die klischeehafte Akustikgitarre im Vordergrund. Aber wer sich mit Nils Frahm und Ólafur Arnalds das Label teilt, unterliegt auch den richtigen Einflüssen.

Der Album-Opener “Doublethink” ist eine aufblühende Ballade, die von Kuhglocken und Pianoklängen getragen wird und deren klare Struktur und wiederkehrende Muster sofort auffallen und beeindrucken. Die neue Single “New York” ist opulent, tragisch und bedrückend – so wie man sich vielleicht einen schlechten Tag in der Millionenstadt vorstellen kann. Rufus Wainwright hätte an dem Arrangement vermutlich größte Freunde, lässt sich doch die Ähnlichkeit zwischen ihm und Douglas Dare hinsichtlich Stimme und Dramatik manchmal nicht leugnen.

Ab und zu bekommen jedoch auch die elektronischen und lauten Elemente ihren Platz im Rampenlicht. So ist es beispielsweise bei “Binary” der Fall, das im Rahmen des Albums als ein fast schon fröhlicher, tanzbarer Song zählen kann (zumindest für 60% des Stücks, der Titel ist hier Programm).  Sonst gilt aber: Große Gefühle, tiefe Empfindungen und durchdachte, komplexe Arrangements kombiniert Douglas Dare zu Musik, die sofort in die Seele stürmt und einen klischeemäßig in ihren Bann zieht. Definitiv ein Album, für das der Herbst erfunden wurde. (mu)

Share.

Leave A Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.