Julien Baker mag Deutschland, weil wir in Deutschland Musik mögen. Welche wir im vergangenen Monat mochten, verrät unser Rückblick:
*** John K. Samson (6.5., Knust) Der Kopf der Weakerthans brachte 3/4 seiner Band mit und hinterließ viele glückliche Gesichter, denn natürlich durfte der ein oder andere Weakterthans-Song nicht fehlen. Und auch John K. Samson hatte sichtlich Freude an dem Konzert, das Grinsen verschwand kaum von seinem Gesicht. Ein wunderschöner Abend, der sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. (dr)
***Adam Ant and The Anthems (6.5., Playhouse, Edinburgh) Ein alternder Schwarm, gebrechlich wirkend und doch noch in der Lage BH’s aufplatzen zu lassen. Zwei Schlagzeuge wie gewohnt und nahezu alle Hits, brachten die Fans in diesem wunderbar schönen Plüschsaal, zum Kreischen und Schwitzen. ” Who cares about seating?” Versonnen in die angehauchte Gothic-Jugend zurückblickend ging ein kurzweiliger Abend zu Ende. Er kann es noch. (tk)
*** Portugal. The Man (17.5., Molotow) Endlich, endlich, endlich wieder auf Tour und natürlich auch in Hamburg. Mehr muss man gar nicht sagen. Und da stört auch die Sauna namens ausverkauftes Molotow bei sommerlichen Temperaturen kaum. Noch mal, noch mal, nochmal! (eh)
*** Bryan Ferry (17.5., Mehr! Theater) Ganz anders und noch älter als Adam Ant, dafür wesentlich fitter, ein Sir Bryan Ferry an diesem Mittwoch Abend die Bühne des Mehr! Theater zur Showbühne. Elegant sexy, gekonnt musikalisch und “totally into his (roxy) music”. Ganz der Gentleman was auch das wirklich enorm großartige Können seiner Band angeht. Stellte jede und jeden ausgiebig vor und es war spürbar, das alle im Miteinander der Musik sind. Ein Star ohne sichtbare Allüren. Band mit grandioser Saxophonistin und Ferry in bester Laune im golden-durchwirkten Sakko. Zum Verlieben, wenn “Avalon” von diesem Mann gesungen wird und alle anwesenden Bryan Ferry Doppelgänger einstimmen. Eine Energie hat dieser Musiker, beeindruckend. Da sehnte sich manch eine zu Roxy Music in die Konzerthallen von damals. (tk)
*** Evan Dando (23.5., Molotow) Ähnlich wie beim Konzert vor zwei Jahren an selber Stelle spielte der Sänger der Lemonheads gefühlt seine ganze Diskographie sowie einige Coverversionen. Die Setlist erstreckte sich über zwei DinA4-Seiten und nach etwa 30 Songs hieß es erstmal “ich geh jetzt nach draußen eine rauchen, wenn ich wiederkomme und ihr habt noch Lust, spiel ich noch eine Weile”. Und er kam tatsächlich wieder und nun ergab auch das bisher herrenlose 2. Mikro einen Sinn: mitgebracht hatte er die junge Sängerin Marciana Jones. Das belebte das Konzert wieder etwas. Bis dahin wirkte Evan Dando im Akustikset gehetzt, brach die Songs oft ab, nun wirkte er viel lebendiger und brachte auch mal ein Lächeln über die Lippen. Nach etwa 40 Songs war dann Schluss. Zumindest für die, die so lange ausgeharrt haben. (dr)
*** Julien Baker (28.5., Aalhaus) Matador Records hat sich da eine ganz begabte und sehr gute Sängerin mit Gitarre geangelt. Bitte freilassen und viele Platten mit der 21-jährigen machen. Beim Toilettengang flüstert sie Fans zu: “I really like Germany, you like music…” Sweet and great. (tk)
*** Wintersleep (29.5., Molotow) Ein entspannter Montagabend im Molotow, Wintersleep stellen ihr aktuelles Album “The Great Detachment” vor, spielen aber natürlich auch einige ältere Sachen. Sänger Paul Murphy fühlt sich auf der Bühne auch deutlich wohler als bei den letzten Konzerten, die ich erlebt habe, vor ein paar Jahren wirkte das noch sehr versteift. Großartiges Finale mit “Amerika”. (dr)
