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    Louka: Ihre Stimme als “weiteres percussives Instrument im Soundgefüge”

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    By Taya on 23. September 2017 Interview, Konzert-Tipps, Nochtspeicher

    LOUKA_Copyright: Sophie Krische

    Noch vor einem Jahr war es undenkbar, dass sie eine so große Entwicklung durchleben wird. Nicht nur ihr Look ist eigenwillig, auch ihre Stimme sticht mit ihrer besonderen Rhythmik hervor. Eine Sollbruchstelle im Spielbetrieb des Pop. All ihre Geschichten beinhalten eine geballte Ladung Fantasie, die sich vor allem in ihrem gerade veröffentlichten Debütalbum “Lametta” wiederfindet.

    Noch dieses Jahr kommt Louka mit ihrem ausgefeilten Sound auf Tour und spielt am 3. Oktober in der Nochtwache. Wie Louka, zwischen all ihren Beobachtungen und geschriebenen Notizen, ihre Musik kreiert, das erklärte sie uns im Interview.

    Was bedeutet Ästhetik in deiner Musik?
    Für mich ist Ästhetik das Sinnliche. Das ist mir wichtig, denn Musik macht man mit allen Sinnen. Ich würde sagen ich bin schon kritisch mit mir selbst und feile so lange bis der Sound, der Text, die Art wie es gesungen und gespielt ist den Punkt treffen, der hinter dem steht, was ich mit dem Song aussagen will. Da gibt es mehrere Ebenen. Es ist für mich nicht so, dass die Musik nur den Text überträgt. Ich finde, dass sie selbst und ihre Soundästhetik eine eigene Aussagebene haben.

    Wie würdest du deine stilistischen Merkmale beschreiben?
    Ich glaube ein auffälliges Merkmal meiner Musik ist die Rhythmik in der Stimme. Für mich ist sie ein Teil der Musik, wie ein weiteres percussives Instrument im Soundgefüge. Allgemein geht es viel um Sound. Synthiflächen werden gebrochen durch den Groove der Gitarre und der Stimme. Manche haben mir schon gesagt, sie würden sich wünschen, dass ich auch mal ausbreche mit meinem Gesang. Aber ich mag es, das eben gerade nicht zu machen.

    “Flimmern” ist nicht nur der Titel deiner EP, du singst auch in dem gleichnamigen Song “Euphorie ist die Energie, die meine Gedanken in Bewegung übersetzt” – Wie äußert sich so etwas bei dir?
    Ich denke Euphorie und die dazu gehörige Bewegung äußert sich bei mir zu allererst in meinem Gesicht, ich lache und dann möchte ich meistens die Menschen in meiner nächsten Nähe umarmen. Wenn mich ein Gedanke oder eine Idee elektrisiert, dann möchte ich sofort damit anfangen, egal, ob es Sinn macht oder nicht oder gerade vielleicht eigentlich gar nicht geht oder so. Es muss dann sofort sein. Zumindest ist es beim Songideen sammeln so.

    Wie viel Louka steckt hinter den Storys der Songs?
    Ich denke es ist schon ein großer Teil. Mich inspirieren auch viele Sachen, die von außen kommen (Bücher, Filme, die Geschichten meiner Freunde oder die von Fremden in der U-Bahn oder wo anders), aber am Ende verarbeite ich das in den Texten, was diese Außentrigger mit mir persönlich machen. Ich glaube aber, dass auch eine Portion Fiktion dazu gehört. Viele der Geschichten in meinen Texten habe ich auch wirklich erlebt, aber nicht genauso wie ich sie beschreibe. Es ist Fantasie mit im Spiel. Und das, was mir ganz persönlich gehört schwingt vielleicht “nur” in der Musik und ihrer Stimmung mit. Ich finde die Leute, die die Songs hören sollen Platz haben sich selbst da einzubauen, nicht nur mir zuzuhören.

    “Manche sind umgeben von viel zu vielen Möglichkeiten / Werden überwältigt von diesen unbekannten Weiten” sind Zeilen aus “Wann immer” – Kannst du uns diese Möglichkeiten und Weiten genauer erklären?
    Ich lebe seit 3 Jahren in Berlin. Du kannst hier alles haben. Du musst aber nicht. Du könntest quasi. Das ist eine besondere Art der Freiheit, die mich in meiner Anfangszeit hier sehr überwältigt hat. Positiv, aber auch negativ. Ich musste lernen damit umzugehen und meinen Platz -zwischen all diesen Möglichkeiten- zu finden. Das ist meine persönliche Weite, in der ich nach wie vor von Zeit zu Zeit verloren gehe.

    Du trägst immer ganz oldschool ein Notizbuch mit dir rum, was für Zeilen finden darin Platz und wie viel davon wird zu einer Story verarbeitet?
    Ja, ich mag das Schreiben an sich schon einfach gerne und ich möchte keinen Gedanken, verlieren. Am PC lösche ich viel zu schnell Zeilen und Ideen und bewerte sie im Schritt davor auch schon viel zu schnell. Ich schreibe mir alle möglichen Dinge auf. Gedanken, die mir in den Sinn kommen (oft auch während Gesprächen), Sachen, die jemand anderes in einer Unterhaltung mit mir sagt, oder die ich höre, wenn er mit jemand anderem spricht. Zeilen und Wörter aus Büchern, Filmen, von Plakaten oder Flyern,… Alles, was etwas in mir antriggert und in Bewegung bringt. Es sind schon ganz schön viele Zeilen und ich muss meine Bücher dementsprechend auch immer lange durchforsten. Aber das mag ich total gerne und so funktioniere ich am besten in meiner kreativen Arbeit. Wie viele Zeilen davon tatsächlich und so, wie sie aufgeschrieben sind, in meine Texte eingebaut werden, kann ich gar nicht genau benennen.

    Du hast eine ganze Sammlung dieser Notizbücher, die alle in derselben Farbe und im selben Format sind. Wieso ist dir das so wichtig?
    Ich weiß auch nicht, irgendwie hab ich in der Beziehung eine Macke. Es würde mich wahnsinnig machen, wenn da viele verschiedene Bücher stehen würden. Dick, dünn, groß, klein,… zu viel Chaos! Das hab ich dann in anderen Bereichen schon zu viel.

    In “Steine werfen” singst du “Ich spiel nicht mehr mit / Ich habe die Regeln nicht gemacht” – Wie sehr schaffst du es tatsächlich dich Regeln zu widersetzen, weil sie dir nicht zusagen?
    Es kommt darauf an welche Regeln du meinst. Aber ich denke, dass ich als Mensch, der nicht in einem festen Job arbeitet, allgemein schon vielen Regeln oder vielleicht eher Erwartungen aus dem Weg gehen kann. Ich glaube, dass muss zum Kunst machen auch so sein. Auf der anderen Seite versuche ich mir manchmal selbst “Regeln” zu geben, um irgendwie Struktur zu haben in meinem Alltag.

    Mit welchen Irrtümern der Musik würdest du gerne aufräumen?
    Ich würde gerne damit aufräumen: Es gibt ganze viele Musiker, männlich und weiblich, die wunderbare Musik machen, eigen, musikalisch sowie inhaltlich hochwertig, aber in den meisten Radioformaten keinen Platz bekommen. Dementsprechend “schwerer” ist der Weg gehört zu werden. Ich denke, dass sich viele Radiohörer über ein vielfältigeres Programm sehr freuen würden, wenn sie nur mehr davon gezeigt bekommen würden.

    Interview: Tanja Kilian

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