„Was spricht dagegen, dass wir eine Ballade aufnehmen? Wer sagt, dass wir das nicht machen können, nur weil wir hässlich sind und lange Haare haben?“, sprach kein Geringerer als Lemmy Kilmister höchstpersönlich. Das war anno 1991 und galt „1916“, einem mit alten, schweren Tränensäcken verminten Lied über die Schrecken des ersten Weltkrieges. Mick Harvey ging derweil als einer der Gründerväter der Bad Seeds in die Musikgeschichte ein, Christopher Richard Barker als Autor und im wahrsten Wortsinne Überlebenskünstler nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Soweit das Intro bevor hier die Hölle losbricht. Selbst wenn die in Teilen nur fiktionalen Charakter behält.

„The Fall And Rise Of Edgar Bourchier And The Horrors Of War“ basiert auf dem, was eine Verknüpfung von Krieg, Kultur und Kunst die zugeschnürte Kehle herauf zu würgen imstande ist. Poetisch, manchmal gar zart, leise und voller endzeittrunkener, blutiger Auswurfbrocken. Mag sein, dass dieser eine wichtige emotionale Kniff latente Erleichterung verschafft. Der nämlich mit dem vorgeblich besungenen Dichter und Denker Edgar Bourchier. Als künstlicher Charakter „nur“ stellvertretend stehend für reale Berichterstatter und Reflektoren aus für unsereins nicht wirklich vorstellbaren Kulissen. Doch lässt das die düsteren Szenarien wirklich erträglicher gestalten?

Über die verwehende Dauer von fünfzehn Liedern wird also dieser Kunstfigur Bourchier und allen von ihr erdachten Spielfiguren im Schlachtfeld ein kurzer lebendig-letaler Moment eingehaucht. Musikalisch irgendwo auf den Spuren der Dylans, Caves und Braggs dieser Welt. Folker, hört die Signale. Oder um noch einmal Lemmy zu zitieren: „Eine der ältesten Traditionen: Der Zirkus, die Soldaten, die Piraten, die Rockbands auf Tour – die Mädchen finden sie immer.” (kel)

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