Seit Jahren ist die Frage “Do you wanna party with the Bonaparte?” nur noch eine rhetorische. Denn man kann dem durchgeknallten Künstlerkollektiv einiges vorwerfen, aber nicht, dass es nicht feiern kann. Der nächste Beweis dafür ist das neue Album, das diesmal ganz schlicht nur den Namen “Bonaparte” trägt.
Was man dort vorfindet? Genau das, was man erwartet: Hedonismus und dadaistischen Spaß in Form von gewitzten Texten auf Anarcho-Electro-Indiepunk-Beats. Wer auf simple Kombinationen aus Gitarre, Schlagzeug und Synthies steht, ist hier auf jeden Fall richtig. Bonaparte Mastermind Tobias Jundt lässt sich auch diesmal nicht lumpen und hetzt mit seinem nicht immer jugendfreien Sprechgesang durch die Tracks.
Die Lyrics waren schon immer das Herz von Bonaparte – ohne sie bliebe manchmal nur viel Krach übrig. Aber so bekommen wir grandiose Songs, die den Zeitgeist einfangen und mindestens ein Schmunzeln hervorrufen. “Me So Selfie” zum Beispiel, in dem die gängien Selbstfotografie-Klischees von Duckface bis Dickface thematisiert werden. Der fast schon typische Bonaparte-Aufbau – Strophen mit vielen Wiederholungen plus ein Mitgröhl-Refrain – findet sich in “Two Girls” wieder.
Zur Spielwiese für Remixer aus aller Welt wird vermutlich “Wash Your Thighs” werden. Dort flüstert Jundt über eine simple Drumline, so dass am Ende der Eindruck entsteht, man wohnt gerade einer Beschwörungszeremonie bei. Überraschend hingegen ist “Like An Umlaut In English”, das sich als Alternative-Indierock-Ballade präsentiert. Das klingt erst einmal ungewohnt, nach kurzer Eingewöhnung jedoch sehr gut.
Die neue Platte funktioniert also auch im heimischen Wohnzimmer – doch die wahre Bonaparte-Offenbarung kann man nur live erleben. Dieses Jahr sind die Besucher vom Hurricane die Glücklichen, denn dort tritt das Berliner Kollektiv am Sonntag auf der Blue Stage auf. (mu)
NACHTRAG! Am 10. Oktober spielen Bonaparte im Uebel & Gefährlich!
