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Interview: Ólafur Arnalds

Als hätte er es kommen sehen. Ólafur Arnalds nannte sein kürzlich erschienenes drittes Album For Now I Am Winter. Der Hamburger Mai scheint sich dies als Motto genommen zu haben, just wenn Ólafur zu uns in die Stadt kommt. Anstatt uns also mit Grillsessions im Freien abzulenken, verbringen wir nun unsere Abende eingemuckelt auf der Couch. Dazu lassen sich prima die kleinen musikalischen Kunstwerke des Isländers hören. Immerhin schwingt in der Melancholie seiner Stücke auch immer eine gewisse Wärme und Hoffnung mit.

Bevor es  am Samstag (25. Mai, Kampnagel) losgeht hat sich Ólafur die Zeit genommen uns noch ein paar Fragen zu beantworten.


Dein neues Album „For Now I Am Winter“ unterscheidet sich sehr von seinen Vorgängern. Du hast jetzt mehr eindeutigen Gesang und elektronische Einflüsse (z.B. Drum & Bass, Dubstep …). Wie kam es dazu? Langeweile?

Nun, vielleicht nicht Langeweile direkt, eher ein Verlangen nach etwas neuem und aufregendem. Ich wollte erforschen wie weit ich gehen kann und aus dem Fortschritt auch neues für mich lernen.

Du hast Kiasmos, dein elektronisches Nebenprojekt mit Janus Rasmussen wiederbelebt und einen coolen Remix vom Album Opener Sudden Throw namens Thrown veröffentlicht. In wie weit beeinflussen sich Kiasmos und der Künstler Ólafur Arnalds gegenseitig?

Eigentlich ist es kein offizieller Remix, aber zu einem gewissen Zeitpunkt sah es nicht so aus, als ob Sudden Throw es auf das Album schaffen würde. Also haben wir beschlossen das Material für Kiasmos zu verwenden, weil wir es sehr gerne mochten. Später habe ich mich dann umentschlossen und habe Sudden Throw doch auf das Album genommen. Dadurch haben wir jetzt zwei Stücke die das gleiche Motiv verwenden. Es gibt viele Beispiele für solche Querverbindungen in meinem Werken, da ich nicht immer darüber nachdenke, für welches Projekt ich gerade schreibe.

In 2008 warst du auf Tour mit Sigur Rós. Auf deren Album Ágætis Byrjun haben sie einen Teil des Songs Starfalur stark verlangsamt und das Ergebnis als Avalon an das Ende der Platte gestellt. Du hast etwas sehr ähnliches mit Only the Winds und Carry Me Anew gemacht. War das eine bewusste Hommage oder purer Zufall?

Tatsächlich war ich mir dessen nicht bewusst. Carry Me Anew habe ich geschaffen, als ich dabei war den Mix für das Album fertig zu machen. Ich hatte dann aber das Gefühl, dass das Album in einer zu dunklen Stimmung enden würde und wollte daher einen Hauch von Hoffnung hinten anstellen. Da ich ja am Abmischen war, fiel mir gleichzeitig auf, dass ich den reinen Orchester Part von Only the Winds für sich genommen sehr schön finde. Also habe ich kurzerhand einen eigenen Track daraus gemacht.

Glaubst du es gibt generell verbindendes Element isländischer Künstler? Beeinflusst ihr euch gegenseitig?

Wir beeinflussen uns gegenseitig sogar sehr! Das liegt daran, dass es ja eine sehr kleine und engmaschige Szene ist. Da geht wirklich viel an Kollaboration zwischen den Genres und Künstlern.

Das offizielle Video zu Ljósið wurde ursprünglich von einem deiner Fans geschaffen, der von dem Song dazu inspiriert worden war. Für das neue Album hast du ein interessantes Projekt mit dem Fan Submission Blog gestartet. Kannst du kurz erklären was du dort gemacht hast und was Fan-Art für dich bedeutet?

Nun, ich bekomme immer sehr viel Fan-Art zugeschickt und so viel davon ist wirklich gut! Daher war es für mich ideal daraus einfach richtiges Projekt zu machen und echte Verwendung dafür zu finden. Es ist eine der größten Belohnungen des Musikmachens, wenn du andere Leute zu Kreativität anregst. Schlussendlich habe ich dann meine Lieblingswerke ausgewählt und ein kleines Fan-Art Buch für die Special Edition des Albums daraus gemacht.

Die neuen Lieder für die Bühne zu übersetzen war sicher keine leichte Aufgabe. Wie hast du das gelöst? Hast du ein Orchester mitgebracht? Ist Arnor Dan (der Sänger auf vier der neuen Stücke) dabei?

Wir haben verschiedene Setups. Manchmal haben wir tatsächlich ein Orchester, aber das ist selten. Meistens toure ich mit einem Streicherquartett, einer Person für das Elektronische (der übrigens auch Posaune spielt) und mir selbst am Piano und den Effekten. Einige der Stücke musste ich so um arrangieren damit die Orchester Parts von den Synths oder dem Quartett gespielt werden können. Arnor ist nur bei ganz besonderen Anlässen dabei.

Du stellst deine Alben immer unter ein Thema oder eine generelle Idee. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es im neuen Album um die grundsätzliche Frage was nach dem Ende kommt bzw. ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Machst du das mit deinen Konzerten ähnlich? Wie stellst du deine Setlist zusammen?

Einer der wichtigsten Punkte in der Vorbereitung meiner Touren ist die Erstellung der Setlist. Ich bin sehr gewissenhaft was den Aufbau der Show angeht, denn sie muss wie ein selbstständiges Album funktionieren. Es ist schon vorgekommen, dass ich ein Stück extra für eine Tour geschrieben habe, nur um eine fehlende Verbindung im Stimmungsbogen der Show zu schließen. Ich will die Leute auf eine Reise mitnehmen, daher ist es wichtig, dass die Musik einen Fluss bildet. Aber gleichzeitig muss ich immer in der Lage sein die Leute überraschen zu können und unberechenbar zu bleiben. Außerdem will ich immer auf einer positiven Note enden.



Am Abend deines Hamburger Konzerts wird auch das Champions League Finale in London stattfinden. Interessiert dich Fußball in irgendeiner Weise?

Überhaupt nicht!

Gibt es andere Sportarten die du verfolgst oder selber betreibst?

Ich mag Handball. Da schaue ich mir auch die Europa- und Weltmeisterschaften an. Darüber hinaus gibt es wirklich nichts.

Mal abgesehen vom Musizieren, womit beschäftigst du dich gerne? Ich vermute ja, dass du ein Filmenthusiast bist.

Tatsächlich liebe ich Filme. Aber genauso gerne mag ich es raus zu gehen und an der frischen Luft zu sein. Wenn ich die Zeit dafür finde, gehe ich gerne wandern.

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Ólafur war zuletzt im November 2011 im Vorprogramm von Ryuichi Sakamoto in Hamburg auf Kampnagel. Für das Konzert am Samstag, den 25. Mai um 21 Uhr gibt es hier noch Karten (VVK 23€, AK 27€).

Im Anschluss an das Konzert wird Ólafur noch am selben Abend als Kiasmos im Golem auflegen.

Interview: Guido Sondern

 


Eine Reaktion zu “Interview: Ólafur Arnalds”

  1. Mike Wayman

    Sehr interessante Fragen, die vom Künstler leider bisweilen etwas lieblos beantwortet wurden.

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