Was haben Tim Buckley, The Cure und der Wu-Tang Clan gemeinsam? Wissen wir auch nicht so recht, aber eins ist klar: Diese Bands gehören zur Geschichte der aus dem schwedischen Vänersborg stammenden Holmes, wie sie eigentlich generell zur musikalischen Sozialisation jedermanns gehören (sollten).
Bereits in den 90ern begannen sie in ihrer schwedischen Kleinstadt Musik zu machen, inmitten jener HipHop-Ära und angesagte Punkrock-Shows. So entstanden schon weit im Voraus EPs und drei Vorgängeralben, von denen es das letztige “Have I Told You Lately That I Loathe You” zu der Szene-Bekanntheit brachte, die Holmes verdient haben.
Nach fast einem Jahr, nachdem die hiesigen Folk- und Indieohren dieses Landes, nicht zuletzt durch den wunderbaren Headliner-Auftritt auf dem Orange Blossom Festival, auf die Schweden aufmerksam wurden, präsentieren diese nun ihr viertes Album “Burning Bridges”. In dieser wahnsinnig schnelllebigen und rasanten Welt tut es gut, Musik zu hören, die dieser Entwicklung scheinbar genau entgegenwirkt.
Hier setzten Holmes nämlich auf leise Töne, auf entschleunigte und in sich ruhende Stücke, die sich hin und her wiegen, zwischen Akkordeon, Lab-Steel Gitarren und Piano. Trotz der allgegenwärtigen Melancholie sprühen Songs wie “Debris” zwar nicht vor Energie, sondern bewegen sich eher gleichmäßig wie das Wellenschlagen am Ufer eines großen Sees. Das ist nicht verwunderlich, spielt die Umgebung ihrer Heimat Vänersborg, explizit die Nähe zum großen Vänern-See sicherlich eine große Rolle.
Das fröhlich und positiv anmutende “Waiting” steht ganz im Sinne des Albumtitels “Burning Bridges”, wenn er die Brücken hinter einem meint und das in die Zukunft, nach vorne schauen impliziert. Die markante Stimme von Kristoffer Bolander scheint hier noch sanfter als zuvor und schmiegt sich wunderbar in den vom Rolling Stone für diese Band geprägten “Scandinavian Americana”. “Burning Bridges” wird vom Achtminüter “Captain Weakheart” abgeschlossen, der beweist, dass neben schaukelnden Folkklängen auch postrockige Sounds zu ihrem Repertoire gehören.
Aufgenommen im Kepner Treg Studio in Göteborg von Per-Ola Eriksson (Boy Omega, The Book Of Daniel) ist den Schweden Holmes (26. April, Astra Stube) erneut ein zauberhaftes Kleinod gelungen, das sich nicht vom derzeitigen Electro- und –auf-die-Mütze-Sound beeindrucken lässt, sondern den Scanericana-Folk weiterführt und ausbaut. (ms)
