In den letzten Wochen und Monaten gab es viel Wirbel um die Band Feine Sahne Fischfilet.  Nachdem ihnen im neuen Verfassungsschutzbericht ganze zwei Seiten gewidmet wurde gab es in den Medien einen großen Aufruhr und die sechs Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern wurden sogar als „die gefährlichste Band Vorpommerns“ bezeichnet. Als Neuzugang auf dem Hamburger Untergrund Label Audiolith veröffentlichten sie nebenbei noch ihr drittes Album „Scheitern und Verstehen“.

2 Jahre mussten die Fans der Punk Combo also auf neue Musik warten, denn nach dem zweiten Album „Wut im Bauch, Trauer im Herzen“ wurde es erst einmal still um Feine Sahne Fischfilet. Jetzt sind sie endlich zurück und klingen auf ihrem neuen Album motivierter als je zuvor. Motiviert kommt auch der Einstieg ins Album daher. Schon der erste Track, „Dorffeste im Herbst“, lässt den Hörer vermuten, was im Laufe der Platte noch folgen wird. Punkige Gitarren und melodische Trompeten ziehen sich abwechslungsreich durch das gesamte Album. Skapunk möchten sie aber trotzdem nicht sein, denn Feine Sahne Fischfilet bezeichnen ihren Stil eher als Punk mit Bläsern und das trifft es auch am besten.

Textlich finden sich alle „typischen“ Punk Thematiken wieder. So geht auf „Scheitern und Verstehen“ um Freunde, Alkohol und den Kater danach, aber auch viel um Politik, was bei einer Band wie Feine Sahne Fischfilet nicht sonderlich überrascht. Für Überraschungen sorgen dagegen Marie Curry von Neonschwarz als Featuregast auf ihrem fast Solo-Track „Dreieinhalb Meter Lichtgestalt“ und das Lied „Riot in my Heart“, welches komplett in Englisch gesungen ist. Ansonsten ist das Album genau das, was der geneigte Hörer erwartet. Punkige Strophen treffen auf bläserbetonte Refrains und in den meisten Texten werden sich viele Hörer selbst wiederfinden.

Auch das Video zur ersten Single „Komplett im Arsch“ kam gut bei den Fans an und wurde seit der Veröffentlichung bereits über 100.000 mal angeklickt. „Feine Sahne Fischfilet“ schwimmen auf einer Erfolgswelle, in die das neue Album perfekt hineinpasst. Fast pünktlich zum Albumrelease konnten wir die Band sogar zu einem kleinen Interview überreden und konnten uns auch gar nicht die No-Go-Frage verkneifen:

CN: Wie seid ihr überhaupt auf euren Bandnamen gekommen?

FSF: Die Band saß zusammen im Proberaum, diskutierte über einen Bandnamen und die Person die am unpünktlichsten war, hatte aus’m Aldi ,,Feine Sahne Heringsfilet“ mitgebracht. Hört sich erbärmlich an, aber so unspektakulär ist die Entstehungsgeschichte des Bandnamens.

CN: Euer drittes Album „Scheitern und Verstehen“ steht ja nun endlich in den Startlöchern, doch mal Klartext: Wie lange habt ihr an diesem Album insgesamt gearbeitet?

FSF: Das kann man schlecht beziffern. Einige Lieder hatten wir schon vor über 18 Monaten geschrieben und andere haben wir 2 Wochen bevor wir ins Studio gegangen sind, fertig gezogen. Allgemein kann man auf jeden fall sagen, dass wir uns diesmal für Alles mehr Zeit genommen haben und auch mal Liedideen zerworfen haben, wenn es dann schlussendlich doch nicht so wirklich reinhaute. Aber bspw. auch für die Aufnahmen im Studio haben wir uns diesmal Zeit genommen und uns nur darauf konzentriert. Die zweite Platte hatten wir noch in einem Kinderzimmer aufgenommen. Das war diesmal schon professioneller.

CN: Nachdem eure ersten beiden Alben auf Diffidati Records veröffentlicht wurden, wurde das neue Album nun über Audiolith veröffentlicht. Wie kam es zu dem Wechsel?

FSF: Mit dem alten Label hatten wir uns zerschossen. Da lief einiges gegen den Baum, denn die Person die das Label im Alleingang riss, verhaute eine ganze Menge und so gibt es Diffidati Records ja bspw auch gar nicht mehr. Audiolith fanden wir schon immer cool. Bands wie Egotronic, Supershirt oder Frittenbude durften schon vor Jahren auf unseren Partys nicht fehlen. Supershirt nahm uns dann im Dezember 2012 mit zur Audiolith Weihnachtsfeier nach Hamburg und wir besoffen uns gnadenlos mit Lars Lewerenz und Artur Schock. Schlussendlich schlossen sich die Beiden und unser Sänger auf der Audiolith Büro Toilette für eine Stunde ein und zogen die Zusammenarbeit im Vollsuff fest.

Hört sich nach ‘ner erfundenen Geschichte an. Ist sie aber nicht. Besiegelt wurde das Ganze dann noch durch das gemeinsame kotzen aus dem Büro heraus und schon war die ganze Geschichte geritzt.

CN: Wie seid ihr auf den Albumtitel „Scheitern und Verstehen“ gekommen?

FSF: Scheitern ist ein ständiger Begleiter unseres Lebens und des Bandbestehens. Ob das nun die Enttäuschung mit unserem alten Label war, oder es Naziübergriffe auf unsere Konzerte sind. Immer wieder passieren Dinge, die im negativen Sinne krass sind. Wichtig ist es unseres Erachtens jedoch aus Fehlern zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Das klappt bei uns denken wir bisher ganz gut. So würden wir bspw. einen Großteil der Lieder die auf der ersten Platte sind nicht mehr spielen, da sie bspw. Sexistisch sind. Auf so einen erbärmlichen Scheiß haben wir keinen Bock mehr.

CN: Um eure Band gab es ja in letzter Zeit einen großen Wirbel und ihr wurdet oft in den Medien erwähnt. Aber was sagt ihr dazu? Freut ihr euch darüber oder nervt es euch inzwischen nur noch?

FSF: Wir freuen uns natürlich darüber, wenn Leute an uns interessiert sind und wenn es bspw. kritisch thematisiert wird, dass wir im VS Bericht erwähnt wurden. Aber noch mehr freuen wir uns natürlich darüber, dass auch unser neues Album bei den Leuten so gut ankommt und wenn die Leute bei nem Konzert geil abgehen, gibt uns das sicherlich doch etwas mehr als nur Interviews zu geben (lacht).

CN: Vielen Dank für das Interview

Wer die sechs Ostdeutschen Punkrocker in naher Zukunft live in Hamburg erleben will, kann das am 4. Januar 2013 im Hafenklang tun. Tickets für die Show gibt es hier.

 

Interview: Felix Höger (fh)

 

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