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Album der Woche: The Jeremy Days

Lenny Kravitz hat es vor vielen Jahren schon einmal vorgemacht. Rein ins Konzert und von der ersten Sekunde an die Bläser vollen Saft voraus. Die Pop- und Post-Abiball-Debütanten The Jeremy Days treiben diese mutige Strategie vom beinahe ersten Ton an über ihr ehemaliges Schulgelände. Kennen in „Julie Thru the Blinds“ und „Are You Inventive“ keine Raucherzone und limitieren sich erst kurz im funkelnd schönen „Brand New Toy“, das ausreichend Sex-Spielzeug für einen kleinen Welthit hat.

Wer ihr Artwork aus Gründen nicht notwendigerweise aus nächster Nähe betrachtet, sieht es den fünf Hamburgern Pop-Naseweisen Dirk Darmstaedter (Gesang, Gitarre), Christoph M. Kaiser (Bass, Gesang), Louis C. Oberlander (Keyboard), Stefan Rager (Schlagzeug) und Jörn-Christof Heilbut (Gitarre) trotzdem auf den ersten Blick an: Auf dem The Jeremy Days-Frühstücksbuffet stehen mutmaßlich eine Riesenkanne Pop, Gewürze aus den Neunzigern und in alles in Butter verpackte audiophile Dramatik. Wer den locker leichten Riegel „Mars“ nach fünf Liedern von Seite Eins noch immer nicht in seiner Sojamilch schwimmen sieht, hat das Franzbrötchen unter den lackierten Fingernägeln nicht verdient.

Vinyl-Seite Zwei nimmt sich nur ein kurzes Fresskoma, taucht im latent mysteriös-sehnsüchtigen „Food & Coffee“ zwischen Nachbartisch und einem fremden Universum. Tanzen? Im „Raintree Country“ bevor Welten (abends) unter oder Sonnen (morgens) aufgehen. Nicht einmal „The End“ hat jemals so versöhnlich geklungen wie hier. Kann oder muss man in einunddreißig Jahren noch lieben: The Jeremy Days am 18. Januar im Docks. (kel)