Nichts ist unendlich. Kein Verlangen der Welt stillbar. Daran kann auch ein Jan Kerscher nichts ändern. Jedoch kann er das Gefühl der Unendlichkeit einem mit Speed durch den Körper jagen. Eindringlicher denn je zieht diese Platte einen so hart in den Bann, dass man alles, gar jede Sekunde, jeden noch so pseudowichtigen Moment um sich herum vergisst. Allen voran stellt Like Lovers direkt im titelgebenenden ersten Track “Everything All The Time Forever” klar, wofür er mit seinem Soloprojekt steht. Ein breit gefächertes Potpourri, fast als könnte er sich nicht entscheiden oder würde mit tiefsten Nachdruck beweisen wollen, wie Recht er mit all seinen Annahmen über das Leben und deren unangenehmen Wahrheiten hat. 

Irgendwo zwischen elektronischen Sounds und viel zu protzigen gar fulminanten Melodien, finden melancholische Momente („Gone“) in diesem epischen Gesamtkunstwerk ihren Einklang und bauen ihre Epik Track für Track auf einander auf. Like Lovers verbindet Pop-Elemente mit R&B („People Shaped Mirrors“), groovigen Beats und schafft dabei eine Komplexität, die sicher nicht jeden in euphorische Sphären treibt. Musikalische Grenzen und das harmonische Einerlei sucht man hier eher vergebens. Wär ja aber auch langweilig und eher unglaubwürdig, würde er sich in eine Reihe schnell gemachter abgespackter Hits einreihen, die einem eine Art “das wird schon wieder, wenn du nur dran glaubst” einflüstern würden. Viel mehr fokussiert sich Kerscher auf die Realität mit all ihren düsteren Seiten, dass jedes Leben früher oder später Grenzen aufweist und jede noch so kleine überraschende Erschütterung einem Stein gleicht, der wie beim Jenga Turm, beim herausziehen, zum Einsturz führen kann: “Unsere emotionale, soziale, psychische Kapazität als Menschen ist eine endliche Ressource“.

Kein Sound für den Sommer, eher die perfekte Begleitung für kühle und stürmische Herbsttage. Am 18. Oktober beehrt uns Like Lovers in der Hebebühne. Vermutlich wird sich hier die Spannung der einzelnen Stücke nochmal um einiges stärker positionieren. Wir lassen uns das zumindest keinesfalls entgehen. (tki)

 

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