Sicher, keine Foals, kein Reinkommen bei Brutus oder nächtliche Radfahrten bei Regen – es war nicht alles perfekt auf dem Reeperbahn Festival 2019. Aber viel, viel mehr war viel, viel besser, war einfach gut. Unser Chor.

Ekki Hugsa 360° (18.9., Planetarium)  Mittwoch war schon so viel los, dass man sich kaum entscheiden, geschweige denn erst mal einfinden konnte. Ob Bono’s Sohn, diverses im Molotow oder Leoniden – die Qual der Wahl. Wir haben mit “Ekki Hugsa 360°” das RBF 2019 eingeläutet und waren leider etwas ernüchtert. Ungewohnt belanglos die Klänge und die Projektionen doch etwas nah an alten Windows-Bildschirmschonern. Dazu drei Sätze von Olafur Arnalds und Torsten Posselt. Na ja. (eh) *** Just Mustard (18.9., Headcrash) Na ja, beginnen wir es ruhig und ohne Stress, dachten wir anderen und starteten mit einer Band, die wir nicht kannten. Nie von gehört. Wir Banausen. Aber auch nur wir, der Laden war rappeldickelvoll, die Iren auf der Bühne beeindruckend berührend und intensiv. (mf) *** Sleaford Mods (18.9., Docks) Intensiv ging es auch auf der anderen Straßenseite weiter. Ein Sänger mit Johnny Rotten-Stimme und ein Typ mit Bier in der Hand, der seinen Laptop bediente. Das Resultat: großartige Musik, seltsame Stimmung. Live geht anders. *** Off With Their Heads (18.9., Hafenklang) Live geht so! Off With Their Heads spielten NICHT auf dem RBF, mussten aber natürlich trotzdem gesehen werden. Also kurzer Abstecher an den Hafen, Punkrock hören, feiern, alles richtig gemacht. *** Leoniden (18.9., Docks) Man könnte ja? Klar, kurz noch zu den Kieler Lieblingen, die fackelten gerade Pyros ab, spielten dann die Zugabe und als das Bierchen leer war, war auch der erste Abend zu Ende. *** KLAN (18.9., Millerntor-Stadion) Aber nicht für alle von uns. Denn das nennen wir mal eine Spontanaktion. Einen Tag zuvor das Management gewechselt und zum Anstoßen direkt mal ins Millerntor einquartiert. Smart und bodenständig wie immer, gab es hier ein feines, aber energiegeladenes Akustik Set zu lauschen und auch den ein oder anderen neuen Song, der nach kurzen Umwegen zu seichteren Gewässern, wieder die gewohnte Tiefe aufwies und uns völlig aus den Latschen riss. So ein bisschen Liebe schwingt einfach immer bei diesen Jungs mit und das soll sich bitte auch nie ändern. (tki)


*** Sea Girls
(19.9., Knust)  Volles Knust (gut, wo beim RBF war es nicht voll?!), gut gelaunte Band! Ein bisschen prolliger Rotz aus Manchester gepaart mit melodischem Indie-Rock – großartig! Der Sänger musste auch nicht erst auf die Theke steigen, damit alle begeistert waren, das hat auch vorher schon geklappt. (eh) *** Winterbourne (19.9., St. Pauli-Kirche) Kirchenkonzerte sind auf dem Reeperbahn Festival immer etwas ganz Feines, weil die Akustik die Interpreten zu ungeahnten Höchstleistungen anspornt. Wenn dann auch noch zwei so stimmgewaltige Musiker wie Winterbourne vor dem Altar stehen und Indiefolk-Songs ihres frisch erschienenen Debüts halbakustisch durch die Kirche schmettern, dann bleibt dem Publikum gar nichts anderes übrig, als ehrfürchtig auf die Knie zu gehen. Absolut versierter Gig, und das auf ihrem ersten Deutschlandbesuch. (dar) *** Bayonne (19.9., Häkken) Bayonnes Musik pendelt immer wieder zwischen warmem Folk und kühl-reduzierten Elektronikasounds. Viel Handwerk, wenig Effekthascherei. Verdammt schöne Mischung, die einen bei allem Geschmachte auch immer wieder daran erinnert, dass Füße auch zum Tanzen da sind. (dar) *** Islandman (19.9., Prinzenbar) Diese drei Herren nehmen das Publikum mit auf einen elektronischen Downtempo-Trip rund um die Welt. Am Ende scheint die gesamte Prinzenbar zu strahlen, so sehr freut sich jeder einzelne Besucher, der dieses Happening miterleben durfte. (dar) *** Dean Lewis (19.9., Docks) Das Docks war wie erwartet sehr sehr voll. Dean Lewis war einer der Highlights des Reeperbahn Festivals. Seine Stimme ist einfach nur großartig und das Publikum begeistert gewesen. (fs)

*** Press Club (20.9., Molotow) Punkrock geht auch mittags! Press Club zockten sich tatsächlich um 13 Uhr durch ihre Hits – und es funktionierte! Wie auch vieles davor und danach funktionierte, man traf sich im Backyard, schnackte hier, guckte dabei ein bisschen Mid City, entdeckte, tauschte – und fand: Das Reeperbahn Festival ist schon eine feine Sache! (mf) *** Anja Rützel über Take That (20.9., Imperial Theater)  Da Foals ja leider nicht kommen konnten, war Zeit für anderes! Manch einer verbrachte diese sicherlich (lohnenderweise) mit Deichkind, aber auch im “normalen” Programm gab es ausreichend Möglichkeiten! Zum Beispiel die witzigste Lesung des Festivals – vorausgesetzt man hat ein Faible für Boybands, bzw. diese eine Boyband, die neulich noch bei uns im intimen Stadtpark war. Rützel spricht alten Take That-Fans aus der Seele und ihre Kommentare sind zum Tränenlachen. Haben wir auch pflichtbewusst gemacht. (eh) *** Maffai (20.9., Molotow Backyard) Die einen so: viel zu poppig, das klingt nach A-ha! Die anderen so: Nein, ist voll gut. Und A-Ha sind übrigens auch gut. Stimmt, ist so, Maffai wärmten im Backyard ganz ausgzeichnet auf.

*** Miss June (20.9., Molotow) Das (persönliche) Highlight des gesamten Festival. Grandiose Lieder, grandiose Live-Band, wunderbare Gesellschaft und für den Moment? Alles gut! *** Velvet Volume (20.9., Molotow Karatekeller) Aber hey, wir haben Reeperbahn Festival. Also kurz in den Karatekeller, weil: DIESE BAND MUSST DU DIR ANGUCKEN! Steht hier. Hätten wir auch gern länger getan, aber es war … so voll! Also wieder hoch, Miss June spielen noch. (mf) ***Mantar (20.9., Große Freiheit 36) Nicht ganz voll, aber voll gut dann die Mantars, was ein Lärm, was ein Geballer. Manch einer, der zu früh zur Frittenbude kam, haute direkt wieder ab, andere genossen die beiden Herren in ihrem Element. (mf) *** Deichkind (20.9., vorm Millerntor-Stadion) Schweißparade, Schwarzweiß-Parade. Kiloweise Konfetti, viel neues Material und ein für Deichkind-Verhältnisse intimer Gig, der wahnsinnig Lust auf das anstehende Album macht. Schön, dass ihr wieder da seid. (dar)

Mando Diao (20.9., Bahnhof Pauli) Da wollten wir lediglich in zwei-drei Songs reinschnuppern. Alte Hasen halt, die man gesehen haben muss. Ist klar. Jetzt kommen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Es lässt sich gar nicht in Worte fassen, was da im Bahnhof Pauli passiert ist. Zu klein, zu schwitzig und so exklusiv und weltklasse, dass es uns schon gar erregt. “Dance With Sombody”, “Down in The Past”, “Long Long Way”….die Liste ist lang und doch viel zu kurz. Björn Dixgårdging ging mit seiner strengen Fuck Attitüde in regelmäßigen Abständen auf Tuchfühlung, touchte was das Zeug hält und rockte sowas von hart über diese viel zu kleine Bühne. Eines der absolut unerwarteten Highlights. (tki) *** Mottron (20.9. / 21.9., Prinzenbar / Molotow Skybar) Gleich für zwei Shows kam der Franzose zum RBF. Schon vorab einer der vielversprechenden Acts. In der Prinzenbar, mit voller Besetzung, packte es uns jedoch nicht so richtig. Fast schon wie ein musikalisches Chaos wirkten die Kompositionen, eben so gar nicht rund. Klar Mottron ist auch weit von geradlinig entfernt, aber so weit? Nächster Tag. Nächste Chance. Und die nutzte der Neuling sowas von. Im Molotow verzichtete er auf Unterstützung der Band, gab komplett alleine einen Einblick in die anstehende Platte und was sollen wir sagen, hier entfalteten sich seine Kompositionen und rissen uns derbe mit. Und das nicht zu knapp. Speziell, keine Frage, aber für den handverlesenen Musikliebhaber eine klare Empfehlung. (tki) *** Stars (21.9., Uebel & Gefährlich)  Beste Band, sympathischste Band, nahbarste Band. Die Kanadier spielen ihr sensationelles Album “Set Yourself On Fire” komplett durch und man vergisst sofort die eher mittelmäßigen letzten Veröffentlichungen. 15 Jahre ist es her und nie waren Stars besser. Der Abend hätte nur noch schöner werden können, hätten sie im Anschluss einfach noch “Heart” gespielt… (eh) ***Efterklang (21.9., Elbphilharmonie)  Efterklang sind zurück! Das letzte Mal ca. 2013 beim RBF in der Großen Freiheit 36, nun das quasi Abschlusskonzert im großen Konzertsaal. Sie haben sich sichtlich gefreut und ihr bezauberndes neues Album durchgespielt, das komplett auf dänisch ist, und sie haben sich vor allem nicht davon irritieren lassen, dass unglaublich viele Besucher den Saal während des Konzerts verließen. Irgendwie respektlos und ziemlich störend. Am Ende noch ein paar Hits der englischen Ära und die, die blieben, waren beseelt. Ohne Frage ein Highlight des Festivals. (eh)

The Screenshots (21.9., Terrace Hill) Die Band mit dem gewissen “extra” steht auf den Visitenkarten, die die Screenshots während ihres Konzerts verteilen. Vorbildlich! Schließlich geht es beim Reeperbahn Festival doch immer noch ums Netzwerken. Damit verspricht die Band nicht zu viel: The Screenshots sind unverschämt sympathische Krefelder, die unverschämt energiegeladene Powerpop-Hymnen mit unverschämt eingängigen Catchphrases schreiben. Drei Leute, drei Akkorde, Drei-Minuten-Songs – schön zu hören, dass diese Rechnung mal wieder so richtig aufgeht. (dar) *** Apache 207 (21.9., Gruenspan) Wem sich bei diesen drei Worten nicht sofort der gleichnamige Song vom Internet-Hype der Stunde in den Kopf krallt, der war wohl die letzten Monate nicht auf Youtube unterwegs. Der Gig von Apache 207 – sein erster überhaupt, wohlgemerkt – stellt sich als musikgewordenes Meme heraus, dessen Erfolg der Künstler wohl selbst nicht so ganz fassen kann. Die kreischende Meute in den ersten Reihen zeigt aber, dass er einiges richtig gemacht haben muss. Apache hat das Game kapiert! (dar)

Fotos: Tanja Kilian (Mando Diao) & Danilo Rößger (alle anderen)

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