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Album der Woche: Odeville

Zur gestrigen Releaseparty gab es nicht nur Schnaps und viel Liebe, auch eine feine Schweiß-Flatdrate und Thekengesang waren in der Astra Stube Ehrensache.

Was Platten angeht, habe ich die Erwartungshaltung an diese Jungs schon vor Jahren eingestellt. Warum? Nicht einmal das Amen in der Kirche ist so sicher, wie die Gewissheit, dass Odeville eine richtig geile Platte raushauen. Unbequem. Unkonventionell. Unvorhersehbar.

„Rom“ besticht nicht nur in seinem detailverliebten Facettenreichtum, sondern schlägt den Fans des seichten Popvorgängers „Phoenix“ gleich mal gescheit in die Fresse. Und genau darin liegt ihre Stärke. Immer wieder neue Wege einschlagen, Songstrukturen aufbrechen und die eigene Entwicklung hinterfragen. Das mittlerweile sechste Album wirkt wie ein gereiftes, erzählerisches Potpourri der vergangen zwölf Jahre und in seiner Gesamtheit um einiges kontrastreicher, weniger festgesetzt. Während „Königreich“ einen voller Wut „Fick dich Leben / Fick dich hart“ entgegen schreit, wirkt „Funkenwalzer“ fast schon wie eine sanfte Streicheleinheit. Mit „Bitte Ja Bitte Gleich“ beziehen sie wiederum Verantwortung gegenüber der traurigen Gegenwart, dessen Geschehnisse, in Form der AfD, Intoleranz und Homophobie, die Band deutlich spürbar berühren.

Auch ihr Ziel mehr ins Geschichten erzählen zu kommen, ist ihnen gelungen. Herausragend ist hier der Namensgeber „Rom“, der nochmal deutlich die Theaterhintergünde einzelner Bandmitglieder wiederspiegelt und etwas länger braucht, um in seiner ausgeklügelten Machart, verstanden zu werden. Besonders eindrucksvoll ist bei dieser Platte auch das Artwork. Sicherlich Geschmacksache, aber wir lieben das ausdrucksstarke Cover, das grüne Doppelvinyl sowie die vielen liebevoll gestalteten Feinheiten.

Charakterstarker deutschsprachiger Indie-Poprock, der in der heutigen Zeit nicht nur klare Stellung bezieht, bisher auch ihr stärkstes Album. Kaum eine Band ist so wandelbar und gleichsam auf den Punkt unverkennbar wie Odeville. Nicht nur die Platte ist ein Gedicht, auch live sind die Jungs unschlagbar. Am 20. Dezember geht es im Knust in die nächste Runde. Also hin da! (tki)