Album der Woche: Fatoni

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Diese Deutschrapper sind schon clever. Machen sie doch einfach das, was früher auch schon beim Wrestling funktioniert hat – und genau das funktioniert auch heute. Gut gegen Böse, ich beefe dich und dich und dich und du beefst dann den und wir beleidigen uns gegenseitig und schon: Skandale, Digga. Die Sache läuft, die Musik nur noch nebenbei. Alle feiern es, kaufen es, ganz egal, wie scheiße die Songs sind, wie mies die Texte sind, wie lächerlich die ganze Sache eigentlich ist. Und dann kommt Fatoni und rappt in “Clint Eastwood“: “Ich würde das so gerne fühl’n, aber ich finde das alles so dumm (so dumm). Und frage mich: War das denn wirklich je anders, oder bin ich nur nicht mehr jung?” Geiler Typ.

Alles doch nicht alles scheiße. Nein. Ganz und gar nicht. Deutschrap kann auch anders. Ganz oft sogar und jetzt mal wieder ganz besonders. Ab heute, mit “Andorra”, von: Fatoni. Der war früher mal bei Moop Mama,, später machte er neben tollen Solo-Alben und Mixtapes auch ein Album mit Mine und Songs mit der Antilopen Gang (dieser hier: “Liebe Grüße“), Audio88 & Yassin (dieser hier: “Mutterficker“) und Kryptik Joe von Deichkind (dieser hier: “Kann nicht reden ich esse“), dazu ist (war?) er noch Schauspieler bei den Münchner Kammerspielen – und heute einer der besten Rapper der Welt. So!

Musikalisch ist das tatsächlich klasse. Sehr klasse sogar. Modernes trifft alte Schule, manches mit Wucht, anderes kommt düster, hier eine Idee, dort eine Überraschung – wer nur ein wenig mit Sprechgesang anfangen kann, der wird hier aus dem Feiern nicht mehr rauskommen. Weil Fatoni eben nicht einfach nachtrapt, nicht 187 Fler-Beats recycelt, keine captialbrave Chart-Musik spielt. Nein. Oder wie er es sagt: “Nein Nein Nein Nein Nein Nein”. Gleichzeitig sagt er Ja zu Casper (“Burj Khalifa”) und sogar ja zu Dirk von Lowtzow von Tocotronic (“Alles zieht vorbei“). Das ist doch nicht normal. Das ist unnormal großartig.

Und obendrauf: Hat Fatoni was zu sagen. Und das tut gut, das ist so gut. Klare Worte, auf den Punkt und trotzdem ohne Phrasen, clever gegen Faschos, Verschwörungstheoretiker und … schlechte Rapper. Wobei “Andorra” trotz “Die Anderen“-Zeilen wie “Zum Beispiel hassen alle Frei.Wild und wir sind uns alle einig. Doch wenn Rapper dumme Faschos sind, dann sind wir nicht so kleinlich” kein rein politisches Album ist. Es ist auch ein politisches Album. Aber es ist auch ein persönliches Album. Fatoni rappt über sich und sein Leben, seine Jugend und seine Zukunft. Und manchmal hängt das eine mit dem anderen zusammen …

Doch vor allem, und das macht “Andorra” am Ende so außergewöhnlich gut, rappt Fatoni einfach übertrieben gut. Zu übertrieben guten Songs. Die bekommt ihr natürlich ab sofort beim übertrieben guten Rap-Mailorder finestvinyl.de, Fatoni in voller Pracht dann am 4. Dezember im Gruenspan. (mf)

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